
Nach den Fluten
Es war 2:30 nachts, als die Lawine aus Geröll, Wasser und Schlamm die Bewohner im Schlaf überraschte. Selbst große Felsblöcke trieben durch das Dorf. Alles, was sich der Lawine in den Weg stellte, wurde mitgerissen. Ohne Vorwarnung brach das Unglück im Oktober 2024 herein.
Die Erzählungen der Überlebenden erschüttern. Die Schreie der Verschütteten und der Verlust der Angehörigen sitzen den Betroffenen bis heute tief in den Knochen. »Bis in die Morgenstunden haben wir zuhause ausgeharrt. Dann erst kam Hilfe«, berichtet ein Überlebender. Dramatische Szenen spielen sich bei der Rettung der Verschütteten ab. Nach einer stundenlangen Suche half man sich mit einfachen Mitteln, um Betonplatten vom Fleck zu bewegen und Menschen aus den Trümmern zu befreien.
Lebenswerk in Trümmern
Unmittelbar nach der Katastrophe konnte AVC mit den lokalen Partnern Soforthilfe leisten. Wasser, Nahrung und Gespräche mit den Überlebenden haben das erste Leid gelindert. Mehr als ein Jahr später besuchen wir Jablanica erneut. Mit im Gepäck: Kühlschränke, Waschmaschinen und Küchenherde. Die, die das Dorf nicht verlassen können oder wollen, bauen fleißig an ihren Häusern. Vorübergehend waren sie bei Verwandten untergekommen. Jetzt sind sie dankbar, beim Neustart Unterstützung zu bekommen. »Von der versprochenen Hilfe ist vieles nicht angekommen«, erzählen die Einwohner. Umso mehr sind sie dankbar, dass wir sie unterstützen.
Mehr als materielle Hilfe ist Heilung für die traumatisierten Herzen nötig. Wo vorher ausgelassenes Lachen war, herrscht nun Verzweiflung und Trauer. Viele sehen ihr Lebenswerk in Trümmern und finden keinen Antrieb mehr im Alltag. Wir sind dankbar, ihnen eine Botschaft von echter Hoffnung bringen zu können; von einem Frieden, den die Welt nicht geben kann. Diese Anteilnahme bringt Heilung in verhärtete Herzen. Die eine oder andere Träne zeugt davon, dass Christus am Wirken ist.
Wir beten für ein kaputtes Knie. Ein paar Tage später kommt der Mann freudig auf uns zu. »Es ist viel besser!«, ruft er uns zu. Einem anderen Mann geben wir diesen Eindruck mit: »Jedes Mal, wenn du den Kühlschrank öffnest, denke daran, dass Jesus dich gesegnet hat.«
Unsere bosnischen Partner sind ermutigt, selbst an schwierigen Orten erste Aufbrüche zu sehen. Auch wir sind überzeugt: Dranbleiben wird sich lohnen.



