
Zweitausend neue Nachbarn – aber keine Mutter
Heiß und staubig ist es in der kleinen Hütte. Durch die dünnen Wände dringt der dauerhafte Lärm fremder Stimmen. Dieses Bauwerk nennen der Kleinbauer Kefas und seine fünf heranwachsenden Kinder »Zuhause«.
Noch bis vor wenigen Wochen lebte die Familie auf dem eigenen Hof. Jedes Jahr pflanzte sie lagerfähiges Gemüse an, mit dem sie sich bis zur nächsten Ernte ernähren würde. Aber Meldungen aus benachbarten Dörfern störten das idyllische Landleben. Immer häufiger war von Eindringlingen die Rede, die mit unvorstellbarer Gewalt gegen die christlichen Bewohner dieser Region vorgingen. Häuser wurden geplündert und niedergebrannt, Bauern überfallen und misshandelt, Menschen verschleppt oder getötet, teilweise fast komplette Dörfer ausgelöscht.
Kefas und seine Frau blieben nach den warnenden Hinweisen stets auf der Hut, denn hinter jeder Hecke und jedem Felsen konnte Gefahr lauern. Doch alle Vorsichtsmaßnahmen nutzten nichts. Terroristen überfielen ihr Zuhause und töteten die Ehefrau und den vier Monate alten Säugling. Mit großer Kraftanstrengung gelang es dem Vater, seine Kinder zu einem sicheren Ort, fernab von der Heimat, zu führen. Seitdem wohnt die Familie auf engem Raum mit mehr als zwei Tausend weiteren Flüchtlingen, aber ohne das Baby und ohne die Mutter.
Kalkulierte Verknappung
»Terroristen verhindern gerade die Aussaat«, schildert der einheimische AVC-Mitarbeiter Pastor Dapar. »Diese Störungen sind Teil einer Strategie, Familien in den Hunger und dadurch in die Flucht zu treiben.« Sind die Bewohner erst einmal weg, besetzen oder zerstören die islamistischen Eindringlinge die verlassenen Höfe. An eine Rückkehr ist nicht mehr zu denken. Frühere Selbstversorger werden abhängig von der Unterstützung von AVC und anderen Hilfsorganisationen.
Neu ist diese Taktik nicht, aber in den vergangenen Monaten hat sie an Ausmaß und Intensität enorm zugenommen. Im Namen von Kefas und seinen Leidensgenossen sagt Pastor Dapar: »Danke, dass ihr uns in diesen Prüfungen beisteht!«



