
Von tausend Kurven und Geistern
Eine Autoreise durch den Himalaya-Staat mutet an wie eine einzige Passfahrt. Kaum ein gerades Stück Strasse kommt unter die Räder, dafür gefühlte 1000 Kurven. Auf den endlos scheinenden Serpentinen begegnen wir Adlern, Rehen, Rebhühnern, Yaks und Affen. Immer wieder passieren wir mächtige Felsbrocken, unlängst auf die Fahrbahn gedonnert. Wir verbieten uns den Gedanken, dass unser Auto getroffen werden könnte – ein durchaus realistisches Szenario.
Heilen kann nur Einer
An manchen Orten führt der Steilhang abseits der Strasse zu kleinen Höhlen. Die Bhutaner sind überwiegend Buddhisten und glauben, dass dort Geister wohnen. Vor einer Höhle liegt das Fahrrad eines kleinen Mädchens. Unser Partner erzählt, dass kranke Menschen hier oft mit Geistern einen Handel schliessen: Sie bringen ihnen Opfer dar, damit sie für eine gewisse Zeit in Ruhe gelassen werden. Doch danach kehren die Dämonen zurück.
Krankheit aufgrund der Einwirkung von Geistern wird in Bhutan für nichts Ungewöhnliches gehalten. Oft sind es darum auch Heilungen, die Menschen zu Jesus führen. So hören wir von einem ehemaligen Schamanen, der vielen kranken Bhutanern helfen konnte. Doch dann erkrankte er selbst und konnte sich nicht heilen. Er kam in Kontakt mit Christen und wurde von Jesus geheilt. Seither ist er Christ.
Nichts als Narben
Auch Elias* wurde sehr krank, als er 13 Jahre alt war. Kein Arzt konnte ihm helfen, da seine Erkrankung dämonischer Natur war. Seine Schwester war Christin. Sie fastete und betete mit anderen Gläubigen für ihren Bruder. Elias wurde befreit und geheilt. Er entschied sich für Jesus und wurde später Pastor. Heute leitet er eine Gemeinde mit 18 Familien in seinem Haus. Wir besuchen einen seiner Gottesdienste, zu dem rund 50 Frauen, Männer und Kinder gekommen sind. Die Gegenwart Gottes ist während der lebendigen, geisterfüllten Gebets- und Anbetungszeit stark spürbar. Einige der Anwesenden sind sehr berührt und weinen.
Am Ende des Gottesdienstes kommt ein Mann nach vorn und berichtet, dass bei ihm einige Monate zuvor ein Hirntumor entdeckt worden sei. »Ich nahm Abschied von meiner Frau und meinem halbjährigen Sohn, weil ich dachte, dass ich nicht mehr lange leben würde«, erzählt er. Die Gemeinde betete für ihn. Pastor Elias entliess ihn mit den Worten, dass alles gut werden würde. In der Hauptstadt Thimphu wollte er sich einer Operation zur Entfernung des Tumors unterziehen. Die Ärzte öffneten seinen Schädel – aber sie konnten nichts finden. Jesus hatte den Tumor verschwinden lassen und den Mann geheilt.
Die pünktlichen Mücken
In einer abgelegenen Wellblechhütte, in absolut einfachsten Verhältnissen, lebt Pastor Jampel* mit seiner Familie. Sie empfangen uns herzlich und kochen für uns. Es gibt Fisch aus dem nahen Fluss und Joghurtmilch. Pastor Jampel hat einen Teil der Hütte abgetrennt und nutzt diesen als Treffpunkt für eine kleine Hausgemeinde. Die Gottesdienste werden von rund 15 Personen besucht. Auf Wunsch der Einheimischen starten wir den Gottesdienst schon am Nachmittag, denn »um 18 Uhr kommen die Mücken«. Und tatsächlich: Mit grosser Pünktlichkeit füllen tausende Mücken die Luft im kleinen Raum, schwirren um die wenigen Glühbirnen, fallen in unsere Teller und finden den Weg in jedes Ohr- und Nasenloch.
Anwesend ist auch Pastor Sonam*, ein ehemals buddhistischer Mönch. Er hatte Mühe, Menschen für Jesus zu gewinnen. So betete er und suchte nach Ideen, wie er seine Gemeinde zum Wachsen bringen könnte. Von unserem Partner erhielt er den Ratschlag, von Haus zu Haus zu gehen, diese mit Öl zu salben und Gottes Herrschaft zu unterstellen. So war unser Partner selbst vor Jahren an einer anderen Ortschaft vorgegangen, und alle Bewohner dieser Häuser wurden Christen.
Der falsche Gott
Unser Partner erzählt uns auch von zwei Brüdern: der eine Christ, der andere Buddhist. Der Buddhist hat in seinem Garten einen Altar aus Stein, auf welchem er dem Schlangengott opfert. Offensichtlich ohne grossen Erfolg, denn der fleissige Anbeter ist oft krank. Sein christlicher Bruder sagt ihm, das läge dran, dass er den falschen Gott anbete. Jesus sei stärker. Nach reiflicher Überlegung ist der Buddhist einverstanden, dass sein Bruder für ihn betet. Dieser fastet drei Tage, proklamiert die Herrschaft Jesu über den Garten und kickt den Altarstein weg. Als der Stein wegpurzelt, klingt es, als rolle ein enormer Findling fort. Von da an wurde der Bruder nicht mehr krank. Allerdings hat er sich bislang nicht entschieden, Jesus ganz nachzufolgen. Noch steht er mit einem Bein in der alten Religion. Voller Zuversicht beten der Bruder und unser Partner weiterhin für ihn.
* Namen geändert



