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tansaniaTansania: Von Dorf zu Dorf

Tabea G. überbringt die gute Nachricht samt guten Ratschlägen. Was daraus wird, liegt in der Entscheidung der Empfänger.

Mit einigen Leuten ziehe ich mich in eine etwas kühlere Berggegend zurück. Wir sind als Team durch Dörfer in teils glühend heißen Regionen Tansanias gezogen und wollen uns hier drei Tage Zeit mit Gott nehmen. Zusammen blicken wir auf die offenen Türen und den gewährten Schutz zurück, zusammen trauern wir um ein Kind, dessen Tod vermeidbar gewesen wäre.

Zu viel des Guten
Im vergangenen Jahr fiel hier übermäßig Regen. Problematisch, wenn das ganze Land zwar grün ist, doch große Teile der Ebenen unter Wasser stehen. Auch als wir unseren Einsatz vorbereiteten, goss es nonstop in Strömen. Das war des Guten zu viel; wir beteten um trockenes Wetter. Und das traf ein – wir mussten keine einzige Veranstaltung absagen!

Die Einsätze in den Dörfern sind von Gegensätzen geprägt: Verzicht auf jeglichen Komfort, mitunter gefährliche Holpertour ins nächste Dorf, Umzug in eine andere Behausung, und das im Wochenrhythmus. Andererseits durchqueren wir wunderschöne Gegenden und beeindruckende Landschaften – mit Menschen, von denen das Abschiednehmen schon nach einer Woche schwerfällt.

In den Dörfern bringen wir das Evangelium tagsüber zu den mit Hunderten von Kindern vollgestopften Schulen, halten nachmittags Seminare und abends evangelistische Veranstaltungen für Erwachsene. So erreichen wir bei jedem Einsatz ungezählte Menschen. Alles darüber zu berichten, wäre an dieser Stelle ebenfalls »zu viel des Guten«. Hier ein paar Schlaglichter.

Region Bukoba: Die Frau des Dorfleiters
Wir befinden uns auf unserem Einsatz in Bukoba. Weil die Schulen wegen Corona leer sind, verlagern wir unser Seminar ins Gemeindehaus. Die Vormittage nutzen wir für Hausbesuche. Wir treffen die Frau eines Dorfleiters. Die Schmerzen, verursacht von einem eitrigen Finger, rauben ihr nächtelang den Schlaf. Wir laden sie zum Seminar ein und behandeln nebenbei ihre Blessur. Und tatsächlich taucht sie am Sonntag zum ersten Mal in einem Gottesdienst auf – und entscheidet sich für Jesus. Später hören wir, dass neben dem Finger auch gleich noch ihr gesamtes Innenleben verändert worden ist.

Region Dodoma: Der einsichtige Vater
Zu Ostern ziehe ich ins Kinderdorf in Morogoro um. Der Corona-Zwangsurlaub gibt mir den Freiraum, mich in meinem neuen Zuhause einzurichten. Mein neuer Wohnort liegt zentral und ist ein perfekter Ausgangspunkt, um in alle Himmelsrichtungen »auszuschwärmen«. Wir beten für offene Türen trotz Corona. Wie durch ein Wunder werden wir in ein Dorf eingeladen, um dort ein Seminar zu halten. Mit allen Dorfbewohnern und Schülern versammeln wir uns unterm freien Himmel. Wir erhalten gar die Erlaubnis, unsere Videoabende durchzuführen. Der Vater eines Jungen, den wir seit Jahren mit Schulgeld unterstützen, wendet sich Jesus zu. Veränderungen werden in Gang gesetzt. Früher wollte der Vater seinen Sohn zum Zauberdoktor schleifen. Dies ist eine gängige Praxis in Tansania, wenn man zum Beispiel gute Noten ergattern oder Spiele gewinnen will. Yusufu weigerte sich vehement, worauf es jeweils massive Prügel setzte. Er blieb jedoch standhaft – selbst dann, als sein Vater als weitere Strafmaßnahme die Unterstützung für die Schule aussetzte. Zusammen mit dem Jungen freuen auch wir uns über die Verwandlung seines Vaters.

Region Iringa: Das sterbende Kind
Im Sommer besuchen wir Dörfer in wunderschönen Bergregionen. Wir nehmen Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden zu diesen Einsätzen mit. Für sie sind dies besonders prägende Erfahrungen. In einem der Dörfer erscheinen zahlreiche Eltern zu unserem Seminar. Wir vermitteln ihnen praktische Tipps zur Kindererziehung. Einer lautet: »Lasst eure Kleinkinder nicht aus den Augen und vertraut sie nicht den Geschwistern an, die nur wenig älter sind.« Am darauffolgenden Tag lässt Kiponzero ihren 2 ½-jährigen Sprössling mit den älteren Kids zu Hause zurück und sucht den Dorfladen auf. Die Kinder machen sich einen Spaß daraus, Steine auf den Bienenkasten des Nachbarn zu schleudern. Die Bienen werden aggressiv und gehen zum Angriff über. Die Kinder nehmen Reißaus – und vergessen ihren kleinen Bruder. Minuten später finden sie ihn bewusstlos am Boden liegend. Ein Nachbar bringt ihn in die Klinik, doch es ist zu spät. Der Junge stirbt. Wir besuchen die Familie. Die Mutter ist Christin. Wir beten für sie, machen ihr Mut, unterstützen sie darin, dem Nachbarn seine illegale Bienenzucht im Wohngebiet zu vergeben. Doch mein heimlicher, kühner Wunsch, das Kind möge zum Leben zurückkehren, bleibt unerfüllt.

Region Singida: Der Blinde
Ich werde in das Haus eines blinden alten Mannes geführt. Er hockt auf seinem wackeligen Bettgestell und knackt mit seinem Enkel Erdnüsse. Ich rede mit ihm über Jesus. Im Gegensatz zu seiner Frau ist er für den Glauben offen. In der Hoffnung, Hilfe für seine Augen zu erhalten, hat er den Zauberdoktor schon um einige Kühe bereichert – doch vergeblich. Jetzt bekennt er seine Sünden, und ich bete für ihn. Am folgenden Tag informiert mich der Pastor, der alte Mann habe beim Beten gespürt, wie eine Last von ihm abgefallen sei. Wir besuchen ihn nochmals und nehmen ihn zum Videoabend mit. Später wird uns berichtet, der Mann könne jetzt wieder recht gut sehen. Mich begeistert es, für und mit Jesus unterwegs zu sein! Für dieses Jahr haben wir dermaßen viele Einladungen, dass wir bis zum Jahresende unmöglich allen nachkommen können. Doch wo immer wir sind, gilt: Unser im Doppelpack verabreichtes Evangelium samt den guten Ratschlägen hat großartige Folgen – dort, wo beides nicht in den Wind geschlagen wird.