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Bulgarien 600x300Bulgarien: Nomen est omen

In unserem Obdachlosenzentrum in Gorna Oryahovitsa finden Gestrandete temporär ein Dach über dem Kopf und Unterstützung darin, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Wir nehmen bei unseren Gästen teils krasse Veränderungen wahr. So auch bei Emil.

Vom Glück ins Elend

»Ich genoss eine glückliche Kindheit. Später vermasselte ich alles. Ich wurde spielsüchtig, hatte die falschen Freunde, wurde kriminell. Meine Familie ging in die Brüche. Ich hielt mich für einen Glückspilz, weil ich bisher bei keinem meiner Verbrechen geschnappt worden war. Doch später wurde ich doch für neun Jahre hinter Gitter gesetzt, weil ich meine Mutter getötet hatte.

Aus dem Gefängnis entlassen, stand ich vor dem Nichts. Nachdem mich ein Arbeitgeber ausgenutzt und mitten im Winter auf die Straße gesetzt hatte, suchte ich in totaler Verzweiflung die nächste Polizeiwache auf und knurrte: ›Entweder Sie helfen mir, oder ich bringe jemanden um, damit ich wieder ins Gefängnis komme.‹ Es schien für die Polizei das Beste zu sein, mich zum Zentrum ›Veränderung‹ zu bringen.

Vom Elend auf guten Kurs
Dort wurde ich trotz meiner dunklen Vergangenheit aufgenommen. Ich erhielt ein Bett, Kleidung und zu Essen. Das Team kümmerte sich rührend um mich. Sie halfen mir, sowohl einen Personalausweis zu erhalten als auch eine Festanstellung und eine Wohnung zu finden.

Die Leute hier waren völlig anders, als ich es gewohnt war. Erst nach dem Verlassen des Zentrums wurde mir der Kontrast zu anderen so richtig bewusst: Ihre Liebe und Geduld, im Gegensatz zu den Menschen, denen ich außerhalb begegnete. Bei den einen steht Gott an erster Stelle, bei meinem aktuellen Arbeitgeber das Geld.

Als Atheist erzogen, wurde mein ›Fundament‹ in der Zeit meines Aufenthalts im Zentrum gewaltig erschüttert. Geduldig beantwortete der Leiter der Werkstatt, in der ich mitarbeitete, meine unzähligen Fragen. Dass sich mein Denken und mein Charakter zu verändern begannen, merkte ich anfänglich nicht.

Heute geht es mir richtig gut. Ich bin so dankbar für diese Wende in meinem Leben. Ich besuche jetzt regelmäßig die Gottesdienste der Gemeinde. Mit den Mitarbeitern halte ich den Kontakt aufrecht. Sie begleiten mich weiterhin. Es gibt für mich keinen Zweifel: Ohne sie und Gottes Hilfe säße ich längst wieder im Knast.«